Den Kampf im Kopf stoppen
Die eine Frage, die Ihre Selbstsabotage beendet
1. Der innere Kritiker im Chefsessel
Du stehst kurz vor dem Abschluss eines wegweisenden Projekts, einer entscheidenden Präsentation oder einer strategischen Neuausrichtung. Alles ist vorbereitet. Doch anstatt Tatendrang spürst du eine bleierne Schwere. Gedanken wie „Was, wenn ich versage?“, „Bin ich dem wirklich gewachsen?“ oder „Das ist noch nicht perfekt genug“ drehen sich im Kreis und lähmen dich. Dieser innere Kritiker, dieses Gefühl der Selbstsabotage, hat im Chefsessel Platz genommen und blockiert deinen Fortschritt.
Die zentrale Prämisse dieses Artikels ist vielleicht überraschend: Deine bisherigen Versuche, mit diesen negativen Gedanken umzugehen – sie zu unterdrücken oder mit ihnen zu argumentieren – sind genau das, was ihnen ihre Macht verleiht. Sie sind der Treibstoff für den Teufelskreis aus Zweifeln und Aufschieben.
In den nächsten Minuten decken wir gemeinsam auf, warum diese gängigen Strategien scheitern müssen und welche simplen, aber tiefgreifenden Techniken dir helfen, aus diesem mentalen Hamsterrad auszubrechen und deine Energie wieder auf das zu lenken, was wirklich zählt: deine Ziele.
2. Warum du deine Gedanken nicht unterdrücken solltest
„Denk jetzt auf keinen Fall an einen rosa Elefanten!“ Was passiert? Natürlich taucht das Bild eines riesigen, pinken Dickhäuters sofort vor deinem inneren Auge auf. Dieses klassische psychologische Experiment zeigt eine fundamentale Wahrheit über unser Gehirn: Der Versuch, einen Gedanken zu unterdrücken, rückt ihn erst recht ins Scheinwerferlicht.
Unser Verstand funktioniert in dieser Hinsicht ein bisschen wie bei einem zweijährigen Kind. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wird lauter. Wenn du dir also befiehlst, nicht an die Angst vor dem Scheitern zu denken, sendest du deinem Gehirn unbewusst die Botschaft: „Achtung, diese Angst ist extrem wichtig und gefährlich!“ Das Ergebnis? Die Angst wird stärker, nicht schwächer.
Genau dieser Mechanismus füttert klassische Formen der Selbstsabotage wie Perfektionismus oder Prokrastination. Der verzweifelte Versuch, die Angst vor Fehlern oder Kritik zu verdrängen, sorgt dafür, dass sie dich umso hartnäckiger verfolgt und deine Handlungsfähigkeit blockiert.
3. Hör auf, mit dir selbst zu streiten!
Die zweite Falle, in die wir tappen, ist der Versuch, mit unseren Sorgengedanken zu argumentieren. Du sagst dir: „Ich schaffe das nicht.“ Und ein anderer Teil von dir erwidert: „Doch, natürlich schaffst du das, du hast schon ganz andere Dinge gemeistert!“ Es beginnt ein innerer Dialog, der sich anfühlt wie ein endloses Gerichtsverfahren, welches mehr und mehr Energie frisst.
Mit sich selbst zu streiten ist ein Kampf, den du immer verlierst!
Das Problem dabei? Dein Gehirn ist ein Meister darin, Gegenargumente zu finden. Für jeden rationalen Gedanken, den du anführst, kann es „eine Million endloser Argumente“ finden, warum die Sorge doch berechtigt sein könnte. „Was aber, wenn dieses Mal alles anders ist?“ „Was, wenn ich etwas übersehen habe?“
Dieser innere Kampf ist nicht nur aussichtslos, er verbraucht auch Unmengen an wertvoller mentaler Energie – Energie, die du als Führungskraft dringend für strategischen Weitblick, die Inspiration deines Teams und das Erkennen von Marktchancen brauchst. Es geht nicht darum, den Gedanken zu widerlegen. Es geht darum, den Kampf aufzugeben.
Worauf wir achten, bekommen wir mehr. So funktioniert das Gehirn. Das ist kein esoterischer Schwachsinn!
4. Wie Jochen zu seinem eigenen Helden wurde
Ein Geschäftsführer, der aufhörte gegen sich selbst zu kämpfen
Jochen, Geschäftsführer eines Immobilien-Unternehmens, kam zu mir, weil er vor dem größten Deal seiner Karriere stand – und wie gelähmt war. Er war ein klassischer Fall von Selbstsabotage, angetrieben von Perfektionismus und einer tiefen Angst vor dem Erfolg. Ein Dilemma!
Sein innerer Dialog war unerbittlich: „Was, wenn das Produkt nicht perfekt ist?“, „Was, wenn die Investoren eine Schwachstelle finden?“, „Was, wenn ich sie enttäusche?“, „Meinen Chef, meine Frau, …?!“ Wenn ich den Auftrag bekomme…, kann ich den unmöglich umsetzen!“
Diese Gedanken führten dazu, dass er wichtige Vorbereitungen immer wieder aufschob. Er verlor sich in unwichtigen Details, anstatt den entscheidenden Schritt zu wagen. Er kämpfte jeden Tag gegen sich selbst. Als er mich anrief, hatte ihm seine Frau am Vortag gedroht, dass sie das alles nicht mehr lange mitmachen wird.
Ich veranschlagte 3-4 Wochen intensiver Zusammenarbeit. Doch bis zu seinem Termin blieben uns nur 14 Tage. In unserer Zusammenarbeit lernte Jochen eine einfache Technik: Anstatt gegen die Gedanken anzukämpfen, begannen wir, ihnen einen Namen zu geben. Jedes Mal, wenn die Zweifel aufkamen, sagte Jochen einfach zu sich selbst: „Ah, da ist sie wieder, die ‚Ich bin nicht gut genug‘-Geschichte.“ Zusätzlich hatte er eine sehr intensive Hypnose-Session mit mir, in der es Jochen gelang, einen emotionalen Spalt, zwischen sich und die negativen Gedankenkreisel zu bekommen.
Bereits in der zweiten Woche war sein Durchbruch verblüffend. Indem er der Geschichte einen Namen gab, schuf er eine kleine, aber entscheidende Distanz. Eine Lücke, die ausreichte, dass er nicht mehr mit dem negativen Gedanken verschmolz; er wurde zum Beobachter des Gedankens. Der Gedanke verlor seine emotionale Wucht. Jochen hörte auf gegen sich selbst zu kämpfen und konnte so seine Aufmerksamkeit wieder auf die konkreten Aufgaben richten. Heute bin ich stolz auf ihn, dass er den Deal erfolgreich abgeschlossen hat und ein, für seine Firmengröße, unglaubliches Projekt umsetzen konnte. Einfach weil er lernte, den Kampf gegen seine eigenen Gedanken zu beenden.
5. Der Game-Changer: Stelle die eine Frage, die alles verändert
Die Technik, die Jochen geholfen hat, basiert auf einem Konzept namens „kognitive Defusion“. Das ist ein schicker Begriff für eine simple Idee: Es geht darum, Raum zwischen dir und deinen Gedanken zu schaffen, anstatt mit ihnen zu verschmelzen und sie für bare Münze zu nehmen. Der Zweck ist nicht, „positive Gedanken“ zu erzwingen, sondern den Fuß für operative Klarheit in die Tür zu bekommen und wieder bewusst die Führung zu übernehmen. Diese Technik entkoppelt Ihre Entscheidungsfähigkeit von der emotionalen Laune Ihrer Gedanken.
Der schnellste Weg dorthin führt über eine einzige, alles verändernde Frage. Anstatt dich zu fragen: „Ist dieser Gedanke wahr?“, stelle dir diese viel nützlichere Frage:
„Wenn ich diesen Gedanken glaube, wie hilft er mir?“
Bringt dich der Glaube an diesen Gedanken näher an deine Ziele? Hilft er dir, die Führungskraft zu sein, die du sein willst? Meistens lautet die Antwort ganz klar: „Nein“.
Das Ziel ist nicht, den Gedanken zu analysieren, sondern ihn kurz zu bemerken, ihn zu benennen und Ihre Aufmerksamkeit dann bewusst wieder auf das Hier und Jetzt zu richten. Hier sind drei weitere, sofort anwendbare Sätze, um diesen Abstand zu schaffen:
- Benenne die Geschichte: „Oh, da ist wieder die Katastrophengeschichte.“ Oder: „Ah, das ist die ‚Alle anderen sind besser‘-Geschichte.“
- Bedanke dich bei deinem Verstand: „Danke Verstand, du bist wirklich gut darin, dir Sorgen zu machen.“ Dieser Satz hat eine leicht ironische Distanz und nimmt dem Gedanken die Ernsthaftigkeit.
- Akzeptiere die Unsicherheit: „Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir werden sehen.“ Damit beendest du den Zwang, alles kontrollieren und vorhersehen zu müssen.
All diese Techniken helfen dir, den Gedanken kurz anzuerkennen und dann deine Aufmerksamkeit bewusst wieder auf den gegenwärtigen Moment und die Aufgabe vor dir zu lenken.
6. Fazit: Du bist nicht deine Gedanken
Der Schlüssel zur Überwindung von Selbstsabotage durch Overthinking liegt nicht darin, deine Gedanken zu kontrollieren, zu unterdrücken oder zu besiegen. Das ist ein Kampf gegen dich selbst, den du nicht gewinnen kannst. Der wahre Hebel liegt darin, deine Beziehung zu deinen Gedanken zu verändern. Du bist der Geschäftsführer deines Lebens, nicht der Angestellte deiner inneren Stimme!
Beobachte deine Gedanken, anstatt mit ihnen zu verschmelzen. Schaffe Abstand, anstatt dich in ihnen zu verlieren. Und richte deine wertvolle Energie auf die Handlungen, die dich deinen Werten und Zielen näherbringen.
Welche alte Geschichte erzählt dir dein Verstand gerade – und was wäre für dich möglich, wenn du aufhören würdest, sie zu glauben?
Inspiration:
YouTube: „Overthinking and Intrusive Thoughts – 6 Phrases to get Unstuck from Overthinking and Uncertainty“